Eis, Eis, baby

Über Kühlschränke denkt man eigentlich nur wirklich nach, wenn sie zu sehr brummen oder leer sind. Aber wie war das in der Zeit, in denen es noch nicht jedes Haushaltsgerät gab, also auch kein Kühlschrank für jedermann.

Das war zum Beispiel in den 20er der Fall, wo der Großteil der Bevölkerung nicht zu beißen hatte. Wer konnte, der bunkerte, was ihm in die Finger kam. Aber ohne Frischhaltemöglichkeiten war die Palette eingeschränkt. Die Dauerwurst tat es auch nicht ewig.

Bei Kühlschrank denken einige vielleicht an die Zeit der Prohibition in Amerika. Dort wurde Alkohol verboten, es gab etwa zeitgleich eine Wirtschaftskrise, ausgelöst durch schwarzen Freitag. Daraufhin hat Präsident Roosevelt den ‚New Deal‘ verkündet. Der sollte die Inlandsanfrage und Kaufkraft auf Trab gebracht werden. Auch die nicht so wohlhabenden Familien sollten u.a. Kühlschränke kaufen zu können. Mitte der 30er hatte die Hälfte der amerikanische Haushalt ein Gerät.

Wie war es zuvor, wenn man sich ein kühles Bierchen genehmigen wollte?

In einigen Orten gab es spezielle Teiche oder kleinere  Seen, deren Namen auf Eisgewinnung hindeutet, zum Beispiel ‚Eiskeller‘ oder ‚Am Eisbach‘. Aus diesen Gewässern wurde im der Winterzeit in Gemeinschaftsarbeit das Eis gebrochen und gestochen. Auch aus Stummfilmen kennt man einigen Kapriolen mit Eismännern, Zangen und ihren Eisblöcken. Eis wurde zu Geschäften gebracht, die dieses nötig brauchen, zum Beispiel Brauereien oder Metzgereien. Aber auch das Eis wurde zwischengelagert. Vielerorts wurden Gemeinschaftsgebäude errichtet, in denen das Eis den Sommer über gelagert war. Die wurden wenn möglich in den Hang hinein gebaut oder so tief wie möglich in die Erde gesenkt, da dort die Temperatur auch durch die warme Jahreszeit hindurch kühl blieb.

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Der Weg bis zum Haushaltskühlschrank war noch lang. Die künstliche Kühlung wurde 1748 erfunden, ab 1834 wurde Luftkompression zur Kühlung benutzt. Ferdinand Carré setzte ab 1859 Ammoniak ein. 1876 erfand Carl von Linde ein Verfahren zur industriellen Eisgewinnung, das jetzt in Fabriken ganzjährig stattfinden konnte. Bis in die Fünfzigerjahre gab es auch noch Holzschränke die mit Fabrik oder Teicheis gespeist wurden. Heutzutage ist es kein Problem mehr, wie man das Bier kühlt, sondern dass immer genug da ist, um den Griff zur Flasche selbstverständlich werden zu lassen.

FCKW olé, aber das ist ja glücklicherweise auch passé.

Wenn man sich vor Augen führt, wie schnell ein Capri, Dolomiti oder Flutschfinger in der warmen Sommersonne schmilzt, ist es schwer vorzustellen das Eis damals aus großen Entfernungen herangeführt wurde. Ein gutes Beispiel ist die Eisgewinnung in Zell am See, die Frankreich und auch Deutschland, vor allem die Brauereien versorgte. Es wurde dort sogar ein eigener Gleisanschluss angelegt. Im Jahre 1883/84 waren dort über 100 Pferde eingesetzt um die Blöcke zu den Waggons zu bringen. Eis für Paris kam aus der Schweiz.

http://www.brgzell.salzburg.at/eisschneiden/

Die neueste Entwicklung stellt die sogenannte ‚Walking Fridge‘ dar, ein Muss für jeden Fußballfan.

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