Benito Juarez

Letztens fand meine Frau einen Artikel über kleine Staatsmänner. Untertrieben gesagt haben diese meistens einen überhöhten Geltungsdrang. Übertrieben gesagt sind sie wie Flöhe: kleine und kaum loszuwerden. Ganz oben auf der Liste, mit 1,37 m der Kleinste: Benito Juarez.

Der Name war mir doch aus einigen gängigen Westernfilmen bekannt. Meistens spielen diese im amerikanisch-mexikanischen Krieg von 1848. Mir fallen spontan Butch Cassidy, Sundance Kid & The Alamo. Bei Karl May taucht er auch auf.

Auf der anderen Seite bringt man ihn oft mit dem Habsburger Kaiser Maximilian I. von Mexiko in Zusammenhang.

Aus Neugier suchte sich erst einmal ein Porträt von Benito Juarez. Irgendwie dachte ich mir schon, dass dieser kaum zusammen mit Riesen abgelichtet oder gemalt worden war. Das obige Portrait fand ich auf Wikipedia. Der Mann auf dem Porträt sieht normal groß aus. Es wurde auch nicht aus der Froschperspektive gemalt. Der einzige Hinweis, der auf die Körpergröße deuten könnte: das samtene Fußbänkchen. Setzt man eine Körpergröße von 1,37 voraus, ist der Beistelltisch ungefähr 60 cm hoch??? Auf diesem Tisch liegt einen eine längere Schriftrolle, die hochoffiziell aussieht. Vielleicht die mexikanische Verfassung? Wenn ich das wüsste, könnte ich anhand der Maßen der Originalurkunde weiter über die Grössenverhältnisse spekulieren. Allerdings kann es auch sein, dass Benito Juarez Schuhe mit Einlagen trägt.

Aber Benito Juarez hatte es überhaupt nicht nötig, sich grösser zu machen, als er war. Er war ein Lichtblick für sein Land und unter den Staatsmännern jener Zeit.

Wie kommt ein kleiner Mann in diese Position ohne als Gernegroß Palaver machen zu müssen?

Benito Juarez wurde 1808 geboren in der mexikanischen Provinz geboren. Seine Eltern waren Zapoteken. Nicht zu verwechseln mit den Zatopeks. Zapoteken waren wie Azteken, Tolteken und Mezteken einer der uralten Stämme, die von den Spaniern unter Hernan Cortes verdrängt wurden.

Vielleicht war Benito Juarez Montezuma’s Rache. Er verlor seine Eltern im Alter von drei Jahren und wurde danach an einer Missionsschule aufgenommen. Bis zu seinem 15. Lebensjahr sprach er nur zapotekisch, also nicht einmal seine eigene Landessprache, Spanisch.

Trotzdem schaffte er es zum Anwalt. Dann mischte er sich unter die Riege der neuen aufkommenden liberalen Politiker, setzte sich an die Spitze einer Reformbewegung. Er löste den Generals Santa Ana (Alamo und so) ab, nachdem der den Krieg mit Amerika verloren hatte.

Mexiko hatte jedoch große Schulden. Unter dieser Krux beschloss Juarez, die Rückzahlungen ans Ausland einzufrieren. Das rief vor allem die Franzosen unter Napoleon III. auf den Plan. Der roch einen fetten Braten um zu expandieren und trat als Inkassobüro auf. In Europa wurden Truppen unterschiedlichster Couleur eingeschifft; französische, belgische und österreichische Soldaten. Als Chef de Mission und als zukünftiger Kaiser von Mexiko wurde der Bruder des österreichischen Kaisers ausgewählt. Die Europäer stellten sich die Sache wohl zu einfach vor. Die Mexikaner leisten erheblichen Widerstand. Kriegsgeschick und -glück war auf ihrer Seite. So wurden diverse Abteilungen der Expositionstruppen vernichtend aufgerieben. Die mitgebrachte Hausmacht des Operettenkaisers schwand. Ein weiterer Faktor war das Ende des amerikanischen Bürgerkrieges, der die USA eine Zeit lang abgelenkt hatte. Jetzt schauten sie wieder Richtung Mexiko und griffen ihre Monroe-Doktrin wieder auf. Franzosen vor der Haustür brauchte man nicht. Erst 1804 war denen noch Louisiana mit New Orleans abgekauft worden.

So konnte also Benito Juarez zum mexikanischen Abraham Lincoln aufsteigen. Er war eigentlich liberal. Doch er war nicht bereit, die Hinrichtung Maximilians, zu verhindern. Trotz Gesuches der Kaisergattin.

Ein berühmtes Bild gibt es dazu von Eduard Manet.the-execution-of-the-emperor-maximilian-of-mexico-1868

Maximilian hatte Gutes vor. Aber seine Verbündeten, die mexikanischen Konservativen, hatten die Volkswut schon irreparabel auf sich gezogen.

Juarez hatte 12 Kinder und war 11 Jahre Präsident Mexikos. Er wird dort sehr hoch geachtet, vergleichbar wie ein Atatürk in der Türkei. Sein Geburtstag ist Nationalfeiertag. Kleiner Mann ganz groß. Es muss also nicht zwingend so sein, dass kleine Leute es nur durch Gewalt, Zerstörung, Korruption oder Intrige auf die höchste Ebene der Politik schaffen können.

Benito Juarez ist das leuchtende und mahnende Beispiel. In Europa erhielt später ein anderer Staatsmann seinen Vornamen. Ein kleiner Italiener, aber nicht Berlusconi sondern Mussolini.

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