80 Jahre & 30 Tage?

Im WM Finale 2010 in Südafrika standen sich die Spanien und die Niederlande gegenüber. Das Spiel dauerte 90 Minuten. Spanien gewann. Zur Sache ging‘s, als der niederländische Mittelfeldspieler de Jong einem eingesprungenen Kung-Fu tritt ansetzte, der sogar im eigenen Land Empörung hervorrief. Aber de Jong wollte gewinnen. Oder hätte er sich in Luft auflösen sollen.

Schon ca. 450 Jahre früher ging es zwischen Spanien und den Niederlanden schon mal um die Wurst.  Auch auf neutralem Platz. Allerdings einen Steinwurf entfernt von einem Fußballplatz, dort wo heute das Stadion von Mönchengladbach steht. Dort in Sichtweite des Stadions, auf der Dahlener Heide, kam es 1568 am 23. April 1568 zu einer Schlacht.

Doch was hatten Spanier und Niederländer dort zu suchen?

Die damals noch eigenständige Stadt Dahlen, später Rheindahlen, der das Schlachtfeld vorgelagert war, gehörte zum Herzogtum Jülich. Doch das erklärte sich mal kurzerhand neutral.

Die Niederländer waren auf religiöse Freiheit aus, denn der katholische spanische Einfluss incl. Inquisition drückte. Das löste den protestantischen Bildersturm aus. Prunk und Pomp in den Kirchen wurde zu Brei geschlagen. Die Eskalation führte dann zu einem Krieg der 80 Jahre dauerte: 1568-1648. Parallel fand 1618-1648 in deutschen Landen der allseits verheerende 30-jaehrige Krieg statt mit ähnlichen Zielen und ständig wechselnden Szenarios.

Kurze Zeit vor der Schlacht war Wilhelm der Schweiger von Nassau erst dazu überzeugt worden, sich an die Spitze der Nähe der Aufstandsbewegung zu setzen. Die Schlacht fällt also unter seine ersten Amtshandlungen. Wilhelm wird immer noch vor den großen Fußballfesten in der niederländischen Nationalhymne besungen.

Eigentlich ist die Schlacht bei Heiligerlee als offizieller Beginn des 80-jaehrigen Krieges bekannt. Vielleicht auch, weil die Niederländer dort einen Sieg davon getragen hatten. Aber wie sich die Bilder gleichen.

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Frans Hogenberg hat beide Schlachten in ähnlichem Stil dargestellt. Der Stich zur Schlacht bei Dahlen befindet sich im kürzlich wiedereröffneten Reichsmuseum in Amsterdam. Fälschlicherweise ist das Datum 22. Juli 1568 verzeichnet.

Wilhelms militärischer Befehlshaber Joost de Soete versuchte also mit 3000 Aufständischen Roermond einzunehmen. Das Unternehmen wurde abgebrochen, als sich die Spanier mit 1600 Soldaten, darunter 300 Pikenieren, näherten.  Diese setzten nach und zwischen Erkelenz und Dahlen kam es zum ersten Aufeinanderprall, wobei die Niederländer zwischen 1100-1700 Mann incl. der gesamten Kavallerie verloren.

Sie flüchteten nach Dahlen um sich dort neu aufzustellen. Aber schon gegen 16 Uhr erreichten abermals 600 spanische Infanteristen Dahlen und rieben die Niederländer innerhalb einer halben Stunde völlig auf. Der Ort schien den Spaniern strategisch zu gefallen und sie nisteten sich in Dahlen, obwohl neutral, ein. Die Bürger hatten dann die Suppe, die die spanische Furie hinterließ, auszulöffeln.

Rheindahlen_Tranchot_1801-1828heute

Früher (um 1800) und heute (mit Stadion oben rechts)

Am Ende des 80-jaehrigen Krieges stand der Westfälische Friede, der die religiöse und politische Teilung zwischen dem katholischen Belgien und der größtenteils protestantischen Niederlande zementierte. Belgien wurde später von den habsburgischen Niederlanden zu den österreichischen Niederlanden mit Maria Theresia als Chefin. Nachdem Napoleon die Länder wieder zusammenschmiss, danach der Wiener Kongress 1815 Belgien den Niederlanden zusprach, machte es sich aber 1830 durch einen zehntägigen Krieg gegen die Niederlande endgültig selbstständig.

Die mentalitätsmäßige und religiöse Mauer in den Köpfen manifestiert sich auch in den Gewohnheiten beim Fritten essen. Im Norden gibt es Patatje Oorlog (ndl. oorlog= Krieg) mit Erdnusssauce und Mayonnaise  gemixt sowie wahlweise Zwiebeln dazu. Im Süden ist Frites Stoofvlees (Schmorfleisch mit Sauce) oder mit Mixed Pickles zu empfehlen.

2 Comments:


  • By Anne-Mieke 30 Dez 2013

    Danke, das war ganz toll um so zu lesen! Solche Geschichten sind das Salz und Pfeffer in die sonst oft so trockene Reporten über die Vergangenheit. 🙂

  • By Katrin 06 Jan 2014

    Lieber Histobov,
    das spanische Weihnachtslied „Ya vienen los Reyes Magos“ mit seinem Refrain „Olé, olé, Holanda ya se ve“ (Olé, olé, Holland ist schon in Sicht) macht mir seit langer Zeit rätselhaft gute Laune. http://www.youtube.com/watch?v=88ghI-cEABs
    Was zum Teufel hat das zu bedeuten? Die heiligen drei Könige fallen auf ihrem Weg nach Bethlehem noch kurz in Holland ein? Selbst in spanischen Foren gibt es mehr Fragen als Antworten, auch wenn einige Bezüge zum 80jährigen Krieg vermuten. Meines Wissens hat aber noch keiner die geniale Verbindung zwischen den Truppen Felipes II und Fußball gezogen. In Licht der Erkenntnis strahlt das Vergnügen noch einmal so hell: Wo wäre der Krieg besser aufgehoben, als in einem Lied, in dem Weihnachtswunder und Fußballhymne verschmelzen. Vielen Dank für deinen Artikel. Olé!

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